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kanthari

sabriye sitzt auf der Dachterasse und tippt

Klänge eines Neuanfangs

    Klänge eines Neuanfangs

    Langsam füllt sich der Campus wieder mit Leben. Ich sitze auf der Dachterrasse, von wo aus ich alle hören kann, mich aber niemand sieht. Lachen, aufgeregte Begrüßungen und die vertrauten Klänge eines Neuanfangs liegen in der Luft. Immer wieder warte ich darauf, dass die Hunde die „neuen Eindringlinge“ anknurren. Doch erstaunlicherweise bleiben alle drei ganz ruhig. Vielleicht spüren auch sie, dass wir wieder mit einer neuen Gruppe von Changemakern starten.

    Da unsere Catalysts jeweils eine kleine Gruppe von Teilnehmenden durch die fünf Akte der kanthari-Reise begleiten, ist es wichtig, gleich zu Beginn zu klären, wo wir starten – und wohin die Reise führen soll.

    Die meisten unserer Teilnehmenden kommen zu kanthari, weil sie ein Problem am eigenen Leib erfahren haben, manchmal sogar eine existenzielle Bedrohung. Sie reisen mit einer Idee an, von der sie überzeugt sind, dass sie die Lösung für genau diese schmerzhaften Erfahrungen ist.

    Und genau hier beginnt die eigentliche Herausforderung.

    In einer Einheit des Vorbereitungskurses sprachen wir vergangene Woche über die verschiedenen Interessengruppen (Stakeholder) ihrer Projekte. Dabei stellten wir eine scheinbar einfache Frage:

    „Welches Problem möchtest du lösen?“

    Fast alle antworteten mit einer Variante von:

    „Mein Ziel ist es, …“

    Sehr schnell wurde deutlich, dass der Unterschied zwischen einem Problem und einer Lösung gar nicht so leicht zu erkennen ist.

    Ziele zu haben ist großartig. Doch bevor wir über Lösungen sprechen, müssen wir das eigentliche Problem verstehen.

    In den kommenden Wochen bauen deshalb alle Werkzeuge, die wir vorstellen, jede Frage, die wir stellen, und jeder Schritt, den wir gemeinsam gehen, auf diesem Fundament auf: dem Problem, das gelöst werden soll.

    Alles, worum wir die Teilnehmenden zunächst bitten, ist eine einfache Problembeschreibung – ein oder zwei Sätze, die klar beantworten:
    Wo besteht das Problem? Worin genau besteht es? Warum ist es wichtig? Und wen betrifft es?

    Erst wenn das Problem klar beschrieben ist, beginnen wir gemeinsam zu klären:

    • Wer sind die Menschen, die am stärksten von diesem Problem betroffen sind und von einer möglichen Lösung profitieren würden? Welche Bedürfnisse haben sie? Welche Geschichten bringen sie mit?
    • Wer hat die Möglichkeit, Veränderungen anzustoßen? Wen gilt es zu überzeugen, zu beeinflussen oder zu mobilisieren?
    • Und schließlich: Mit welchen Partnern möchten die Teilnehmenden zusammenarbeiten? Welche Art von Team brauchen sie, um ihre Idee Wirklichkeit werden zu lassen?

    Erst wenn diese Fragen langsam klarer werden, nähern wir uns möglichen Lösungen – und selbst das geschieht erst etwa sechs Wochen nach Beginn des ersten Aktes.

    Doch auch dann gehen wir Schritt für Schritt vor.

    Zunächst lernen die Teilnehmenden, den Blick zu weiten. Sie entwickeln eine Vision – das Bild der Veränderung, die sie sich für die Welt wünschen. Daraus entsteht anschließend ihre Mission: die übergeordnete Strategie, mit der diese Vision eines Tages Wirklichkeit werden könnte.

    Und dann beginnt sie – die berühmte „kanthari-Waschmaschine“.

    Durch ein verblüffend einfaches Spiel erkennen viele Teilnehmende, dass die Ideen, an denen sie zuvor festgehalten haben, oft erstaunlich konventionelle, vorhersehbare oder manchmal sogar etwas langweilige Antworten auf ein Problem sind, das sie inzwischen viel tiefer verstanden haben.

    Die passende Lösung entsteht selten in einem einzigen Geistesblitz. Meist ist sie das Ergebnis eines langsamen, manchmal auch schmerzhaften, aber stetigen Prozesses, an dessen Ende die wirksamste Intervention sichtbar wird.

    Diesen Prozess nennen wir „Concept Transformation“ – die Transformation eines Konzepts.

    Und genau diese beginnt mit kritischen Fragen. Fragen, die wir gemeinsam mit den Teilnehmenden in den ersten sechs Wochen sammeln, hinterfragen und immer weiter schärfen.

    Wann immer wir merken, dass jemand zu schnell nach einer Lösung greift, führen wir den Blick behutsam zurück auf das Fundament: das Problem, das tatsächlich gelöst werden muss, und die Menschen, die von einer guten Lösung wirklich profitieren würden.

    Wir möchten unseren Teilnehmenden vermitteln, dass es wenig bringt, vorschnell zu Schlussfolgerungen zu kommen. Stattdessen geben wir ihnen Zeit und Raum, die tieferen Beweggründe zu entdecken, warum sie überhaupt zu kanthari gekommen sind.

    Die Woche hat bereits mit viel positiver Energie und guter Stimmung begonnen.

    Herzliche Grüße von der Dachterrasse.

    –sabriye