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Twajali - Aus den Slums in die Welt der Hotels: Mary Mutuas inspirierender Weg.

Twajali – Aus den Slums in die Welt der Hotels

    Mary Mutua aus Kenia hat ihre Jugend in einem der größten Slums Afrikas überlebt. Sie wurde Zeugin von Drogenhandel, Kriminalität und Prostitution. Durch die Anstellung als Haushälterin in der Nachbarschaft, versuchte sie dem Elend zu entkommen, wurde aber von den Arbeitgebern misshandelt. Trotz aller Widrigkeiten gelang es ihr, Hotelmanagement zu studieren und in der Hotelbranche zu arbeiten. Doch auch da blieb sie nicht lang. Aus kritischer Perspektive startete sie eine neue Hotelfachschule, in der sie Jugendlichen aus Kibera eine gute Ausbildung gewährte. Die Diskrepanz zwischen Schulung im Hotelmanagement und der Realität war aber so groß, dass sie ihr gesamtes Trainingskonzept auf den Kopf stellte. Nun, mit den Erkenntnissen, die sie bei kanthari erworben hat, fängt sie noch einmal neu an, diesmal eine Hotelfachschule für Jugendliche des Slums, aber außerhalb Nairobis.

    Twajali – Aus den Slums in die Welt der Hotels: Mary Mutuas inspirierender Weg.

    “Ich werde hier nicht sitzen und zusehen, wie du dein Leben wegwirfst!” verteidigte sich mein Ehemann, als ich herausfand, dass er heimlich mein Stipendium für kanthari, ein Impact-Leadership Lehrgang stornieren wollte.
    “Welche verheiratete Frau verlässt ihre Familie einfach so?!” Während er vor Wut schäumte, blieb meine neunjährige Tochter gelassen: “Mama, fahr ruhig nach Indien. Das ist nur ein einziges Land, ich werde später sicherlich fünf Länder bereisen!”

    Meine Entscheidung für dieses Training für sieben Monate nach Indien zu gehen, war nicht einfach. Ich musste es für mein Projekt in Kibera tun, denn ich will die Jugendlichen durch eine solide Hotelfachausbildung stärken. Ich brauchte ein Führungstraining, denn ich fühlte mich nicht ausreichend gerüstet, die vielen Herausforderungen zu bewältigen, denen sich meine Schule gegenübersah. Tatsächlich war ich mir nicht sicher, ob kanthari der richtige Ort für mich war, aber es war einen Versuch wert. Und diese Gelegenheit wollte ich mir nicht nehmen lassen.
    Ich wuchs im ländlichen Kenia auf und war in der glücklichen Lage, Grund- und weiterführende Schule zu absolvieren. Aber dann ging meinen Eltern das Geld für eine höhere Bildung aus. Da meine älteren Schwestern bereits nach der High School geheiratet hatten, wusste ich, dass ich die Nächste war. Entweder musste ich meinem Schicksal ins Auge sehen oder etwas tun! Mit 18 Jahren floh ich aus meinem Nest.

    Nun, als ich im Bus saß, machte ich mir schon Sorgen um meine Zukunft. Zurückkehren war aber keine Option! Kibera, der größte Slum Afrikas, war mein Ziel. Das Leben in Kibera ist nicht einfach. Die zusammengestückelte Siedlung, überfüllt und unterversorgt, beherbergt die meisten Menschen in fensterlosen Hütten von 12 mal 12 Fuß, mit Zinn-Dächern bedeckt und immer feuchten Lehmböden. Mindestens Acht Personen schlafen auf dem blanken Boden, keine Toiletten, kein Abwassersystem! Das war mein neues Zuhause! Tatsächlich handelt es sich um eine Arena, in der man sehr viel Resilienz braucht, um zu überleben.

    Bald fand ich Freunde und zusammen mieteten wir eine Hütte. Von da an wurden Drogen, Prostitution und Kriminalität zu unseren täglichen Begleitern. Wir mussten ja überleben und übernahmen Lieferungen von Drogen für recht lukrative Honorare. Manchmal wurden wir von Gangs angewiesen, gestohlenes Gut zu verstecken. Das Leben war schon aufregend, und es hatte seinen Reiz. Bis zu dem Tag, als wir vor einer Verhaftung bei einer Polizeirazzia fliehen mussten. Zwei unserer Freunde wurden gefasst und wanderten ins Gefängnis. In einer Tasche, die sie in unserer Hütte aufbewahrt hatten, wurde eine Waffe gefunden, die bei einem Raubüberfall verwendet worden war. Das ging mir entschieden zu weit und ich wollte raus aus dem Elend.

    Ich fand einen Job als Kindermädchen auf einem Anwesen außerhalb von Kibera. Aber ich fühlte mich ausgebeutet und gegen den Willen meiner Chefin schlich ich mich hinaus, um Computerkenntnisse zu erlernen. Dies veränderte alles. Ich fand bessere Arbeitsplätze, die mir ermöglichten, Geld für die Universität zurückzulegen. Und dann, neun Jahre nach Abschluss der Sekundarstufe, begann ich ein Studium im Bereich Hotelmanagement. Mit einem Abschluß in der Tasche, arbeitete ich als Managerin im Safari Park, einem Fünf-Sterne-Hotel und damit bekam ich einen guten Einblick in die Schattenseiten der Hotelbranche.

    Ich ertrug es nur sehr schwer, wie Jugendliche, die sich bemühten, in der Hotelbranche Fuß zu fassen, von oben herab abgekanzelt wurden. Man gab ihnen keine Chance, mehr als Kellner zu werden. Bereits nach einem Jahr hatte ich genug. Ich kündigte und arbeitete ehrenamtlich als Ausbilderin in einer Hotelfachschule.

    Der Lehrplan war ziemlich langweilig und nicht wirklich relevant. Die Auszubildenden wurden nicht über die Schattenseiten der Branche aufgeklärt. Man verschwieg die überlangen Arbeitszeiten, die oft unmögliche Behandlung des Personals von Seiten der Gäste, die sich alles erlauben können und natürlich die miese Bezahlung. Ich wollte ein anderes Curriculum entwickeln, in dem ich den Jugendlichen einen Einblick in die Realität geben würde. Damit sollten sie gute Zukunftsentscheidungen treffen. Meine Lebensgeschichte und meine Erfahrungen sollten für sie Motivation sein, ihre eigenen Träume zu verwirklichen.

    Twajali Training Zentrum

    Mit all diesen Gedanken gründete ich ein Ausbildungszentrum für Hotelmanagement. Zwei Jahre später hatten wir über 40 Jugendliche aus den Slums ausgebildet. Die Tatsache, dass wir mitten in Kibera ansässig sind, bringt jedoch Herausforderungen mit sich. Die meisten sahen die Gefahr, in ihre alten Gewohnheiten von Drogenlieferung, Kriminalität und Prostitution zurückzufallen. Die Verlegung der Schule an einem Ort außerhalb von Nairobi, sehen wir nun als ersten Schritt zur Veränderung. Unser neues Zentrum, Twajali (Denn Ihr seid uns wichtig), wird einen ganzheitlichen Lernansatz bieten.

    Der Drang nach Fortschritt und Veränderung gab mir die Idee mich für den kanthari Kurs zu bewerben und so teilte ich meinem Ehemann meine Entscheidung mit: “Bitte zwing mich nicht, zwischen unserer Ehe und meiner Zukunft wählen zu müssen, ich könnte mich für das Letztere entscheiden!”

    Heute ist er glücklich über meine Entscheidung. Tatsächlich hat sich seine Einstellung komplett geändert. Denn wir telefonieren täglich und er nimmt an meiner Verwandlung teil. Er glaubt an meinen Traum und ist zu einem aktiven Partner in der Leitung des Zentrums geworden. Ich konnte also nur etwas bewirken, weil ich mich nicht damit begnügt habe, “Eurery body’s Darling” zu sein. Und manchmal müssen wir, die kantharis, gegen den Willen derjenigen handeln, die wir am meisten wertschätzen.

    Eines habe ich bei kanthari gelernt: man kan nur etwas verändern, wenn man den Mut hat, nicht immer Gefallen zu müssen.

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