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Samen des Wandels: Myat Tuns Odyssee von ländlichen Wurzeln zum Pionier der Permakultur.

Samen des Wandels: Myat Tuns Odyssee von ländlichen Wurzeln zum Pionier der Permakultur

    Myat Tun wuchs in einem kleinen Dorf im Westen Myanmars auf, umgeben von einem mit Meerwasser gespeisten Fluss, mit Mangrovenwälder, ohne Internet und Strom. Es war ein einfaches selbstbestimmtes Landleben.
    Im Jahr 2013 wurde aus einem Kind ohne bestimmte Träume ein naturbegeisterter Umweltschützer. Mit den Kenntnissen im Naturschutz, die er in der entfernten Stadt erwarb, kehrte Myat in seine Heimatprovinz Rakhine zurück, um ländliche Jugendliche in nachhaltiger Landwirtschaft, Permakultur und Naturschutz zu schulen. Dafür gründete er mit zwei Mitstreitern das Permakultur-Institut Myanmar und er erwarb Land für ein zukünftiges Ausbildungszentrum.

    von Myat Tun – Myanmar

    Ich bin das drittgeborene Kind in einem kleinen Dorf namens Ran Aung Pyin, ein Dorf, umgeben von einem salzigen Fluss und von dichten Mangrovenwälder.
    Vor 2010 war unser Leben sehr abgeschieden. Es gab kaum Kommunikationsmittel, um mit der Außenwelt Kontakt zu halten. Sogar ein zehnminütiger Telefonanruf erforderte eine achtstündige Bootsfahrt nach Rathedaung. Nachrichten aus Yangon erreichten uns erst nach Wochen oder manchmal sogar Monaten. Mein Vater wünschte sich, dass ich Ingenieur werde, damit ich nicht auf der Garnelenfarm arbeiten müsste. Aber mein Herz sehnte sich nach der Einfachheit ländlicher Landschaften, nach Reisfeldern, weidenden Tieren und vielfältiger Tierwelt. Meine Eltern strengten sich sehr an, um uns eine gute Bildung zu ermöglichen. Sie verkauften Reisfelder und anderen Familienbesitz, fast alles wurde veräußert. Trotz der recht einfachen Lebensweise, hatten wir, meine Geschwister und Freunde, viel Spaß.

    Ende 2012 schickten mich meine Eltern nach Yangon. Ich arbeitete zwei Monate lang in einer Bekleidungsfabrik doch ein Jahr später, bekam ich die großartige Gelegenheit, an der Ökodorf-Fachschule “NEED Myanmar” zu studieren. NEED Myanmar fokussierte sich auf die Ausbildung junger Erwachsener verschiedener Ethnien.
    Es ging im Studium um nachhaltiger Landwirtschaft, um Umweltschutz und um Gemeindeentwicklung. Damals träumte ich davon, die von den Landwirten abgeholzten Mangrovenwälder wieder aufzuforsten. Dabei wollte ich Kinder und Jugendliche meiner Heimatregion über die Bedeutung von Mangroven und über das Tierleben aufklären, um sie für den Schutz der Natur zu begeistern. Zusammen mit zwei NEED-Alumni leitete ich einen dreitägigen Workshop zur organischen Landwirtschaft in meinem Dorf.
    Während des Trainings wurde mir klar, dass ich im Umgang mit Gemeinden und mit Jugendlichen an meine Grenzen stieß. Ich konnte sie nicht wirklich erreichen und ich fühlte mich noch nicht in der Lage, meine eigene Faszination der Natur auf sie zu übertragen. Also versuchte ich, weitere Möglichkeiten für die Entwicklung meiner Zukunftsideen zu finden. Daher trat ich 2016 dem Kant Kaw Education Centre bei. Dort konnte ich mein Wissen über soziale Themen und globale Klimaveränderungen vertiefen.
    Meine erste Lehrerfahrung im Naturschutz begann 2016 mit Fauna and Flora International (FFI), um das Bewusstsein für den Artenschutz an staatlichen Schulen im Bezirk Myeik zu schärfen. Nach meinem Praktikum bei FFI kehrte ich in mein Dorf zurück, wo ich das Lighthouse Centre gründete, um die örtliche Jugend über soziale Medien und grundlegende Computerkenntnisse zu unterrichten.

    Permakultur in Myanmar
    Damals bemerkte ich eine große Veränderung in unserer Umwelt: Es gab Abholzung und Wüstenbildung im erschreckendem Ausmaß, die Fischbestände waren fast erschöpft , es gab kaum noch wilde Tiere und die Feldfrüchte verdorrten aufgrund von Wassermangel. Junge Erwachsene waren nach Thailand oder Malaysia ausgewandert, um besseren wirtschaftlichen Möglichkeiten nachzugehen. Diese Massenauswanderung betraf nicht nur mein Dorf, sondern auch viele andere Teile von Rakhine. Da die Regierung den Straßenzugang zu meinem Dorf blockiert hatte, gab es keinen Markt mehr für Gemüse und Ernten. All das stürzte die ländliche Bevölkerung in Armut.
    Obwohl ich all das direkt vor meinen Augen hatte, konnte ich meiner Gemeinschaft nicht helfen. Mangelnde finanzielle Mitteln zwangen auch mich, anderswo nach Arbeit zu suchen. 2017 begann ich bei Istituto OIKOS zu arbeiten. Da lernte ich noch mehr über die verheerenden Auswirkungen der Abholzung. Ich erkannte, dass junge Landwirte durchaus ein großes Potenzial haben, ihr Land in ein nachhaltigeres und umweltfreundlicheres Landnutzungssystem zu verwandeln.

    Ich stellte Fragen:
    Warum wollen Jugendliche mit ländlichen Hintergrund nicht in ihren dörflichen Gemeinschaften leben?
    Warum wächst die Zahl der Bauernkinder, die ihr Land verlassen und ins Ausland auswandern, so drastisch an?
    Warum hat die Landwirtschaft einen so negativen Beigeschmack?
    Warum bin ich so leidenschaftlich und wie kann ich diese Leidenschaft auf andere übertragen?

    All diese Fragen sorgten dafür, dass mein Verstand, der mir sagte, dass ich Geld verdienen müsse, meinem Herz nachgab. Ich hörte also auf mein Herz und beschloss, meine Zeit der Veränderung dieser Situation zu schenken.
    Landwirte sind das Rückgrat einer jeden Gesellschaft und genau deswegen müssen sie sich als Umweltschützer, Frontkämpfer gegen den Klimawandel und Friedensstifter engagieren.

    Die Umstände zwingen mich, meiner wahren Leidenschaft zu folgen. Daher habe ich mich Johanna Garnett und Than Shwe angeschlossen, um das erste Permakultur-Institut in Myanmar zu initiieren. Als ersten Schritt erwarben wir 2019 neun Acres Land in Rakhine. Unser gemeinsamer Traum ist es, Jugendliche verschiedener Ethnien mit Fähigkeiten auszustatten, die zu neuen Lebensmöglichkeiten führen. Wir bringen ihnen die Prinzipien der Permakultur bei, schulen sie in nachhaltigen Praktiken der natürlichen Landwirtschaft und in der Ökosystem-Restaurierung.
    Ich glaube fest daran, dass ich so meinen Traum als Schützer der Umwelt verwirklichen kann. Und um über die Grundlagen des Projekt Managements, des Fundraisings und der Curriculum Entwicklung zu verfügen, habe ich mich hoffnungsvoll bei kanthari beworben.
    Und das ist, was ich tun möchte:
    Jedes Jahr werden 25 Jugendliche aus den ländlichen Regionen mit allen Methoden ausgestattet, die sie brauchen, um auf dem Land und mit der Natur im Einklang überleben zu können.

    In den Jahren nach ihrem Abschluss werden sie ihr Wissen mit mindestens 20 konventionellen Landwirten teilen.
    Damit erreichen wir mit jedem Lehrgang insgesamt 500 Landwirte, die die Prinzipien der Permakultur kennen, verstehen und anwenden können.
    Zusätzlich, über unser Netzwerk der Ehemaligen werden wir eine Bauerngenossenschaft einrichten. Damit haben sie einen direkten Zugang zum Markt, um ihre Produkte zu verkaufen,
    die Abhängigkeit der Landbevölkerung an importierten Lebensmitteln reduziert sich und alle Verbraucher haben regionalen Zugang zu gesunden Lebensmitteln.


    Mehr ueber Myat’s Arbeit erfahren sie hier

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